Hongkong_9328, 2021, 84 x 59,4 cm, Pigmentprint auf Hahnemühle Photo Rag, gerahmt, Museumsglas
Serie aus 5 Unikaten (jedes Bild wird neu gewebt und fällt dadurch immer anders aus)
Series of 5 unique pieces (each picture is newly woven and therefore always turns out differently)

 

 

 

Chongqging_3754, 2021, 59,4 x 42 cm, Pigmentprint auf Hahnemühle Photo Rag, analoge Webetechnik, gerahmt, Museumsglas
Serie aus 5 Unikaten (jedes Bild wird neu gewebt und fällt dadurch immer anders aus)
Series of 5 unique pieces (each picture is newly woven and therefore always turns out differently)

 

 

Hongkong_1831, 2021, 59,4 x 84 cm, Pigmentprint auf Hahnemühle Photo Rag, analoge Webetechnik, gerahmt, Museumsglas
Serie aus 5 Unikaten (jedes Bild wird neu gewebt und fällt dadurch immer anders aus)
Series of 5 unique pieces (each picture is newly woven and therefore always turns out differently)

 

 

 

Chongqing_L1003792, 2021, 59,4 x 84 cm, Pigmentprint auf Hahnemühle Photo Rag, gerahmt, Museumsglas
Serie aus 5 Unikaten (jedes Bild wird neu gewebt und fällt dadurch immer anders aus)
Series of 5 unique pieces (each picture is newly woven and therefore always turns out differently)

 

 

Chongqing_L1004060, 2021, 42 x 59,4 cm, Pigmentprint auf Hahnemühle Photo Rag, gerahmt, Museumsglas
Serie aus 5 Unikaten (jedes Bild wird neu gewebt und fällt dadurch immer anders aus)
Series of 5 unique pieces (each picture is newly woven and therefore always turns out differently)

 

Chongqing_L1003629, 2021, 42 x 59,4 cm, Pigmentprint auf Hahnemühle Photo Rag, gerahmt, Museumsglas
Serie aus 5 Unikaten (jedes Bild wird neu gewebt und fällt dadurch immer anders aus)
Series of 5 unique pieces (each picture is newly woven and therefore always turns out differently)

 

 

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Gewebtes Stakkato

Mit Begeisterung eigens erstellte Fotografien zu zerschneiden, ist ein aggressiver Akt. Mit dem Cutter fahre ich entlang der stürzenden Linien eines in die Jahre gekommenen Hochhauses in Hongkong, Kowloon, und schneide das Foto im A1-Format in vertikale Linien (bis auf den obersten Zentimeter, damit die Streifen nicht auseinander fallen). Nun nehme ich mir den zweiten Druck des identischen Motivs noch einmal vor und folge mit dem Messer den horizontalen Linien entlang der Fenster- und Balkonbrüstungen. Als würde ich die Architektur des Hauses mit seinen Vorsprüngen, Klimaanlagen, Fenstergittern liebevoll nachzeichnen. Ich halte lose schmale Streifen in der Hand, die ich rückseitig nummeriere.

Jetzt greife ich eine alte Kulturtechnik auf und webe die horizontalen Streifen der Reihe nach in die vertikalen. Dabei murmele ich: Drunter, drüber, drunter, drüber, um mich nicht zu vertun – denn obwohl diese Handarbeit simpel ist, passiert es durchaus, dass ich falsch webe und zwei, statt nur einem Streifen, überdecke. Ist der horizontale Streifen eingewebt, drücke ich diesen vorsichtig an die vorherige horizontale Reihe. Dennoch entsteht ein Versatz ca. 5 mm je Streifen in die untere Richtung, so dass am Ende von der zweiten Fotografie ein breiter Streifen übrig bleibt. Je weiter ich webe, desto mehr entfernen sich die horizontalen Bildstreifen von ihrem vertikalen Double.

Als würde man auf ein Bild mit riesigen Pixeln schauen, bei dem der Ausschnitt derart vergrößert ist, dass der Betrachter nichts mehr erkennt. Oder als wären zwei identische Musikstimmen falsch synchronisiert, so dass die zweite Stimme immer weiter hinterherhinkt und ein disharmonischer, aggressiver stakkatoartiger Rhythmus entsteht.

Immer wieder bin ich überrascht, wie ein solches ineinander gewebtes Duo am Ende aussieht – ich kann die entstehende Wirkung nicht vorhersehen. Die Papierstreifen in der Hand zu halten, zentriert meinen Blick auf die Details, die ich sozusagen herausschäle. So sehe ich sich im unregelmäßigen Rhythmus wiederholende Klimaanlagen oder eine Reihe baugleicher Balkone, variierend nur durch die unterschiedliche Nutzung, mal als Wäschedepot fungierend oder ungenutzt und leer. Die analoge Technik des Fragmentierens empfinde ich dabei als viel intensiver als hätte ich diesen Schritt mittels Bildbearbeitung am Computer vollzogen.

Für mich mündet das in Streifen Schneiden und erneut Zusammensetzen des Gesamtbildes in eine genauere Wahrnehmung der Gebäudearchitektur. Interessanterweise wende ich mich dem Bild zu, während ich es zerstöre. Aus Sicht fotografischen Handwerks investiert man normalerweise für ein Foto eine Hundertstel Sekunde, die Zeit, die zur Aufnahme benötigt wird. Anders ist es beim Zerschneiden und Weben. Hier fällt mir, während ich mit dem Messer die Balkone eines 44. Stocks vom Rest der Struktur trenne, auf, dass zwei benachbarte Wohnungen die gleiche Kinderwäsche über die Wäscheleine gehängt haben. Sind die Familien befreundet? Hier wohnen Menschen. Sie haben schillernde Leben, von denen ich als Fotografin nichts weiß. Als Foto-Weberin erfahre ich mehr über sie. Ich lasse mich, auf das was ich zerschneide und wieder verwebe, ein.

Architektur und Stadtplanung sind, auch heute noch, fast ausschließlich in männlicher Hand. Dieser “Selbstverständlichkeit”, stelle ich eine ursprünglich traditionelle weibliche Technik entgegen: das Weben. Was zunächst harmlos erscheint, entpuppt sich als subversive Geste: Ich zerstöre Architektur und verwebe sie aufs neue. Linien und Formen fallen auseinander, die Bildebene bricht auf und erlaubt – so scheint es mindestens – den Blick auf etwas “dahinter”. Wo die Balkone ins Tanzen geraten, kommt wieder etwas Freude, Spiel und Luft in die stringente Ordnung.